• Wettbewerb Schulanlage Hoeckler | Zürich Wollishofen / 2020

  • Team Sarah Birchler, Elena Cecchettin, Benjamin Häni, Dominik Joho, Flurina Leuchter

    Landschaft Kollektiv NordOst

    Statik Andreas Gianoli, Dr. Lüchinger Meyer Partner

  • A L P H A B E T A G A G A

    Die Bestandsbauten auf dem Areal sind die Gebäude des Werkplatzes der Firma Locher. Besonders die Werkhallen mit ihren Backsteinfassaden sind identitätsstiftende Zeitzeugen der industriellen Vergangenheit des Gebietes Manegg. Wichtige alte Bausubstanz zu erhalten, war schon bei der Planung Greencity mit dem Spinnereiplatz und Wasserturm ein zentraler Punkt zur Erhaltung der Identität des Quartiers. Die aktuelle Situation der Zwischennutzung zeigt die Flexibilität und das Potential der bestehenden Hallen. Durch Ihre Spannweiten und Raumhöhen sind sie vielseitig nutzbar und räumlich spannungsvoll. Der Grundgedanke des Projektes ist es, baulich nur das zu addieren, was im Bestand nicht möglich ist. Nur was in den Bestandsbauten räumlich keinen Platz findet, wird hinzugefügt und nur das abgerissen, was von der Struktur her für die Schule nicht nutzbar ist. So werden die Hallen D und E in ihrer industriellen Schönheit erhalten und umgenutzt. Die Bestandsbauten am nördlichen Kopf weichen dem Neubau der Schwimm- und Turnhalle.

    Der Eingriff des Neubaus ist einfach

    Drei eingeschossige Fachwerkträger spannen sich über die Bestandsbauten und stellen sich schützend über diese. Zwischen den parallellaufenden Fachwerkträger werden die Klassen- und Gruppenräume eingehängt, welche als einfache Holzboxen vorgefertigt werden können. Die raumhohen Fachwerkträger des Klassentraktes bilden zugleich die Decke der neuen Turn- und Schwimmhalle im Erdgeschoss sowie der Boden der beiden Sporthallen, welche als einfache Holzkonstruktionen auf die Träger gestellt werden.

    Die beiden bestehenden Hallen werden unterschiedlich umgenutzt. Halle E, welche von ihrer öffentlichen Lage am Locher-Oeri-Platz und der weiten Spannweiten und Raumhöhen geprägt ist, beherbergt den Mehrzweckraum, die Räume der Verpflegung, Betreuung und die Bibliothek. Der Mehrzweckraum wird zusammen mit den Räumen der Verpflegung als ein grosser Raum im Erdgeschoss erlebbar gemacht. Im oberen Geschoss befinden sich die Räume der Betreuung und die Bibliothek.

    Halle D bleibt ihrem Werkstattcharakter treu. Im Erdgeschoss befinden sich die Werkstätten und die Handarbeitsräume. Im nördlichen Bereich mit den grösseren Raumhöhen befinden sich die Räume der Musikhochschule, welche sich grosszügig öffnen lassen und zum Platz) raus performen können.

    Die Anordnung der Nutzungen in den bestehenden Hallen soll auch die Öffentlichkeit der Nutzungen unterstreichen. So können die Räume der Werkstätten auch nach Schulschluss für Kurse genutzt werden. Ebenfalls wie die Räume der Musikhochschule und die Mehrzweckhalle.

    Die Drei Plätze

    Analog zum Gestaltungsplan Green City sind die Plätze in der unteren Ebene betont urban gestaltet und von öffentlichem Charakter. Auf ihnen verzahnt sich der Asphalt des Strassenraumes mit der Chaussierung der hinteren Gleisräume.

    Der Locher-Oeri-Platz schliesst an das Wegenetz des Quartiers an und bildet so den Auftakt der Anlage. Mit seiner Grösse und den spielerisch verteilten Bäumen auf der chaussierten Fläche schafft er eine grosszügige Situation des Ankommens. Eine einspurige Rampe erschliesst auf Gleisseite die Tiefgarage, über welche auch die Küche beliefert wird. Die beiden Plätze zwischen den Bauten im Erdgeschoss sind vom Träger des Klassentraktes überspannt und können dadurch als überdachte Aussenräume genutzt werden. Es sind adressbildende Orte für die Musikhochschule und die Werkstätten.

    Alles auf einem Geschoss

    Die Klassenzimmer der sieben Klassenclustern und ihre Gruppenräume orientieren sich alle zur lärmabgewandten Seite des Gleisräume. So entsteht zur Allmendstrasse hin eine Lern – und Erschliessungszone, welche optisch alle Cluster miteinander verbindet. Durch grosszügig öffenbare Türen lässt sich der Klassenraum bis in die Lernzone erweitern und diese Fläche kann in den Unterricht miteinbezogen werden.

    Eine Verbindung, ein Netz

    Mit dem geplanten Haspelsteg entsteht eine wichtige Ost-Westverbindung in dem vom Schnellverkehr in Nord-Südrichtung geprägten Gebiet. Diese zweite, erhöhte Erschliessungsebene für Fussgänger ist nun durch die Umnutzung des Industriequartiers Manegg zum Wohnquartier notwendig und muss ernst genommen werden. Primarschüler der Schule Allmend, Schüler der Sekundarschule Höckler aber auch Nutzer der Musikhochschule, und Personen aus der Nachbarschaft werden diesen benutzen und sich darauf aufhalten. Der Neubau der Schulanlage Höckler schliesst auf zwei Ebenen direkt an den geplanten Haspelsteg an. Auf der Ebene des Klassentraktes und ein Geschoss darüber auf der Ebene des Aussenraumes und der Allwetterplätze. So entsteht ein alternatives Wegenetz in der Höhe auf welchem auch die Schüler der Primarschule direkt in die Klassentrakte gelangen können und für die Nachbarschaft die Allwetterplätze und die Dachlandschaft zugänglich wird.

    Ein grünes Dach

    Auf dem Rücken des Klassentraktes entstehen Sportplätze sowie ein wertvoller Grünraum. Im Sinne der Biodiversität sowie um ein angenehmes Klima auf dem Dach zu schaffen, wird dieses begrünt. Mittels Inseln werden Plätze und Orte geschaffen, welche es ermöglichen sich zurückzuziehen und zu verweilen. Diese Grünoasen können auch mit kleineren Bäumen oder Sträucher wie z.B, kleinkroniger Apfelbaum oder Felsbirne bespielt werden und sind wertvoll für das Klima auf dem Dach. Mittels Leichtsubstrat und der entsprechenden punktuellen Verteilung werden keine zu grossen Lasten auf das Dach gebracht. Der Ballfang der Sportplätz wird im Bereich des Grünraumes weiter-gezogen und wirkt da als Schattenspender, welcher mit Kletterpflanzen bewachen ist.

    Es ist laut

    Die Lage des Bauperimeters lässt eine Querlüftung nicht zu. Die Unterrichtsräume liegen alle zur lärmabgewandten Seite. Dank der relativ hohen Raumhöhen (4.40 m im Klassentrakt) kann bei der Fensterlüftung der thermische Auftrieb zum effizienten Luftaustausch genutzt werden. Die Turnhallen und die Räume der Schulschwimmanlage werden mechanisch belüftet. Alle Klassenräume sowie auch Mehrzwecksaal, Musik und Tanzräume, Werkstätte orientieren sich zur lärmabgewandten Seite des Gleisraumes und können so auch bei offenem Fenster ruhig genutzt werden. Die Lage der Allwetterplätze sowie des Dachgartens liegen unterhalb Lärmgrenze der Autobahnstrasse und der Strassenlärm der Allmendstrasse ist auf dem Dach nicht relevant.

    Nachhaltig, Ressourcenschonend

    Nachhaltigkeit bedeutet auch der sorgfältige Umgang mit Bestehendem. Es ist im Sinne der Nachhaltigkeit, die Hallen zu grossen Teilen stehen zu lassen. So kann auf grosse Abbrucharbeiten sowie Entsorgungsfragen verzichtet werden. Durch das Nutzen der bestehenden Untergeschosse und die Anordnung der Sporträume im Neubau werden auch kaum Aushubarbeiten notwendig.

    Elefantenfüsse und drei Träger

    Das Konzept des Projektes besteht aus dem Erhalt der beiden Industriegebäude. Die beiden Gebäude werden durch einen neuen Sockel mit einer Turnhalle und dem Schwimmbad ergänzt. Das eigentliche Schulgeschoss spannt als durchlaufende Konstruktion über die gesamte Gebäudelänge über den Bestand und über den neuen Sockel. Ausgebildet wird dieses Geschoss mit drei Fachwerkträgern, welche in den Fassadenebenen und der Korridorwand verlaufen. Die Träger sind geschosshoch und in Stahl-Beton-Verbundweise ausgebildet. Quer dazu spannen vorfabrizierte Betonhohlkörperdecken, welche durch eine aufbetonierte dünnen Betonplatte kraftschlüssig verbunden werden. Durch diese Anordnung können die beiden Hallen im Sockelbau ohne zusätzliche Unterzüge oder Träger überspannt werden. Als Auflager für die Fachwerke dienen der neuen Sockelbau und die Treppenhäuser, welche in die bestehenden Bauten integriert werden. Diese Türme übernehmen auch die horizontalen Lasten aus Wind und Erdbeben, welche dadurch effizient und einfach abgetragen werden können.

    Auf der Decke über den Fachwerkträgern sind der Aussenplatz und zwei weitere Einfachturnhallen angeordnet. Die Hallen werden als einfache Rahmenkonstruktion in Holz ausgebildet. Die hohen Ballfangzäune liegen auf der Achse der Fachwerkträger und werden in diesen, respektive den zwei dadurch verbundenen Decken, eingespannt. Durch die Weiter-führung von zwei Fachwerken zur Fussgängerbrücke hin wird auf einfache und konsequente Weise ein direkter Zugang geschaffen. Die Träger werden vor der Brücke abgestützt, so dass diese keine zusätzlichen Lasten aufnehmen muss. Die Gebäudelasten werden je nach Lage der Schotter- und der Molasseobergrenze flach oder mit Pfählen fundiert. Durch die Reduktion der Grösse des neuen Untergeschosses ist nur ein geringes Aushubvolumen abzuführen, der Einbau ins Grundwasser wird minimiert.

    Durch das entwickelte Konzept kann die Tragstruktur der bestehenden Bauten weitgehen im ursprünglichen Zustand belassen werden. Abgesehen von den neuen Treppentürmen erfahren Sie keine zusätzlichen Belastungen, so dass keine Verstärkungsmassnahmen erforderlich werden.

    Die präzise Entwicklung und Setzung des Tragwerks führt zu flexibel nutzbaren Grundrissen. Es ist robust und gesamthaft betrachtet wirtschaftlich. Der Ein-griff in den Baugrund wird auf ein absolutes Minimum reduziert und durch den konsequenten Einsatz von Recyclingbeton mit CEM III/B Zement kann das Tragwerk ressourcenschonend und mit einer guten CO2-Bilanz erstellt werden.

    Back to the Future

    Der Erhalt der Hallen soll neben der kulturellen Spurensicherung des Quartiers und dem atmosphäri-schen Beitrag auch ein Stück Stadt sein, welches in die Hände von Teenagern übergeben wird.

    Die Schüler werden begleitet in eine Welt, welche sie nicht selbst gestaltet haben und die vor Ihnen schon da war. Nun haben sie das Recht sich diese anzueignen.

    Daher soll es auch ein spielerischer Umgang mit der Typologie Schule sein: Eine Schule, welche nicht ausschliesslich die Autorität eines klassischen Schulhausneubaus ausstrahlt, sondern die Schüler dazu einlädt, sich selbst einzubringen und die Umwelt mit-, um- und neuzugestalten.